Die mit eurer Hilfe gesammelten Daten wurden im Juli in gleich zwei Vorträgen bei einer Soziologiekonferenz in Riga (European Society for Rural Sociology) vorgestellt. So konnten wir zeigen, wie wertvoll euer Engagement ist – und wie groß das Interesse an der Gartenpraxis von Bürgerwissenschaftler*innen inzwischen auch international ist.
Im ersten Vortrag ging es um die Bodenproben und Düngepraktiken. Unsere Untersuchungen zeigen: Die meisten von euch legen großen Wert auf nachhaltiges Gärtnern und setzen vor allem auf Kompost. Gleichzeitig zeigen die Analysen, dass es dabei oft zu einer Überversorgung mit Phosphor und Kalium kommt. Der Grund: Kompost enthält im Vergleich zu Stickstoff relativ viel Phosphor und Kalium, Pflanzen brauchen aber deutlich mehr Stickstoff als Phosphor und Kalium. Dieses Ungleichgewicht kann langfristig dazu führen, dass sich Nährstoffe im Boden anreichern – selbst wenn eigentlich „natürlich“ und nachhaltig gedüngt wird.
Wir empfehlen daher, nicht mehr als 3 Liter Kompost pro m² auszubringen.
Zum Vergleich: Urin hat ein umgekehrtes Verhältnis – viel Stickstoff, aber weniger Phosphor und Kalium – dessen Anwendung als Dünger kann also helfen, das Nährstoffgleichgewicht im Boden besser zu halten.
Im zweiten Vortrag ging es um unsere Forschung zu urinhaltigen Düngern. Wir wollten wissen, warum manche Gärtner*innen schon eigenen Urin nutzen und was ihre Bereitschaft beeinflusst, ein fertiges Produkt aus dem Handel einzusetzen, falls es zugelassen wird.
Etwa die Hälfte von euch nutzt bereits eigenen Urin. Dafür spielen vor allem drei Punkte eine Rolle:
- Wissen: Wer sich gut auskennt, nutzt Urin häufiger.
- Bedenken: Sorgen über Rückstände oder Krankheiten halten eher davon ab.
- Unabhängigkeit: Wer sich von synthetischen Düngern lösen möchte, probiert Urindüngung eher aus.
Die Anwendung von eigenem Urin erfordert jedoch praktisches Wissen und etwas Aufwand – vom Sammeln bis zur Dosierung. Deshalb probieren sie vor allem diejenigen aus, die sich im Umgang damit sicher fühlen und keine hygienischen Bedenken haben. Anders sieht es bei einem möglichen fertigen Produkt aus dem Handel aus: Drei Viertel von euch würden einen solchen Dünger verwenden, wenn er zugelassen ist. Entscheidend ist hier vor allem der Glaube an seine Wirksamkeit – wer überzeugt ist, dass er Erträge und Pflanzengesundheit verbessert, würde ihn auch einsetzen.


